Das Mesnerhaus am Kirchplatz steht heute noch. Es ist ein zweigeschoßiges Mittelflurhaus mit Söllern über zwei Seiten, und es steht unter Denkmalschutz. In diesem Haus soll um 1840 ein junger Musiker aus Klosterneuburg gewohnt haben: Leopold Knebelsberger.
Von ihm stammt die Melodie zu „Zu Mantua in Banden“ – der Tiroler Landeshymne. Ob sie hier entstanden ist, hat unseren Chronisten sichtlich beschäftigt. Er hat seine eigene Überschrift wieder durchgestrichen.
Die zweite Hälfte der Überschrift hat der Chronist von Hand durchgestrichen.
Unter diesem Titel gibt es Zeitungsüberschriften von Heimatforschern. Es ist bekannt, daß der Text der "Tiroler Landeshymne" von deutschen Dichter Julius Mosen und die Melodie von Leopold Knebelsberger stammt. Weniger bekannt wurde, wie und wo das Andreas-Hofer-Lied vermutlich entstanden ist.
Julius Mosen reiste als neunzehnjähriger Jus-Student im Jahre 1822 nach Italien, dabei kam er durch Tirol und besuchte in Mantua die Stätte, wo 12 Jahre vorher Andreas Hofer erschossen wurde. Aus diesem Erlebnis heraus entstand das Gedicht "Andreas Hofer".
Leopold Knebelsberger, am 15.9.1814 in Klosterneuburg geboren, wurde Musiker und bereiste mit seiner Sängergesellschaft Österreich, Deutschland und Rußland. Auf der Suche nach guten Sängern kam Knebelsberger auch nach Hart, wo er im alten Mesnerhaus wohnte und gelegentlich auf der alten Orgel spielte. Hier im Zillertal kam ihm ein 1836 in Leipzig erschienener Gedichtband von Mosen in die Hand, der unter anderem auch das Gedicht "Andreas Hofer" enthielt. Das balladenartige Gedicht traf in seiner eindringlichen Einfachheit die Gefühle des Volkes für den erschossenen Volkshelden, und so schuf Knebelsberger dazu spontan die ebenso einfache wie eindringliche Melodie. Nicht zuletzt durch die Zillertaler Nationalsänger Rainer fand das Lied rasche Verbreitung. Als Knebelsberger im Jahre 1855 mit seiner Sängergruppe in Oldenburg den inzwischen völlig gelähmten Mosen mit dem Lied überraschte, war dieser zu Tränen gerührt.
Mosen starb am 10. Oktober 1867 in Oldenburg und Knebelsberger folgte ihm zwei Jahre später am 30. Oktober 1869 während einer Konzertreise in Riga.
Nach Ansicht verschiedener Forscher, könnte die Melodie während des Aufenthaltes Knebelsbergers im Mesnerhaus in Hart entstanden sein. Beweise waren bis jetzt allerdings nicht zu finden.

Was wir dazu herausgefunden haben
Hart steht in der Fachliteratur – als eine von drei Möglichkeiten. Das ist mehr, als die meisten Gemeinden vorweisen können.
Bestätigt
- Die Hart-These ist keine Ortssage. Sie steht in der überregionalen Literatur zur Entstehung der Melodie, gestützt auf das Oesterreichische Musiklexikon und das Österreichische Biographische Lexikon: „1840 habe sich Knebelsberger in Hart im Zillertal aufgehalten, um neue Sänger für sein Ensemble anzuwerben. Diese hätten ihn mit dem Gedicht von Mosen bekannt gemacht, was ihn zur Vertonung veranlasst habe.“ Daneben stehen zwei andere Erklärungen: eine Dresdner Zeitung 1844, oder eine persönliche Bekanntschaft mit dem Dichter.
- Das Haus gibt es noch. Das ehemalige Mesnerhaus am Kirchplatz 4 ist ein denkmalgeschütztes Mittelflurhaus mit Söllern über zwei Geschoße.
- Alle Lebensdaten stimmen. Knebelsberger, geboren am 15. September 1814 in Klosterneuburg, gestorben am 30. Oktober 1869 auf einer Konzertreise in Riga. Julius Mosen, gestorben am 10. Oktober 1867 in Oldenburg. Auch der Besuch von 1855, bei dem Knebelsbergers Gruppe dem gelähmten Mosen sein Lied vorsang, gilt als gesichert.
Noch offen
- Ein Beweis fehlt bis heute – für alle drei Erklärungen gleichermaßen. Der Chronist hat das gewusst und deshalb sein „vermutlich“ eingefügt.
- Zwei Angaben im Text sind zu berichtigen: Mosen schrieb das Gedicht 1831 im sächsischen Kohren-Sahlis, nicht unmittelbar auf seiner Italienreise von 1822. Und Knebelsberger gründete seine eigene Sängergesellschaft „Die Zillertaler“ erst 1849 – 1840 war er 25 und noch bei fremden Gesellschaften.
Wenn Sie zu einem dieser Punkte etwas wissen – ein Foto, ein Dokument, eine Erinnerung aus der Familie: Bitte melden Sie sich im Gemeindeamt. Das meiste, was hier noch fehlt, liegt nicht in Archiven, sondern in Schubladen.