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Über diese Chronik

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Schrägluftbild der Pfarrkirche Hart mit Gemeindeamt.

1486 – heute

Unsere Pfarrkirche

Eine arme Bergbauerngemeinde nimmt einen Kredit auf und baut sich in Fronschichten eine neue Kirche. Die gotischen Chormauern lässt sie stehen – sie tragen bis heute.

Wer in Hart zur Kirche geht, betritt ein Gebäude, das älter ist, als es aussieht. Unter dem Barock steckt gotisches Mauerwerk, und darunter lag ein romanischer Vorgängerbau aus dem 13. oder 14. Jahrhundert.

Nach Votivbildern aus den Jahren 1688 und 1689 stand zu dieser Zeit an der gleichen Stelle wie heute eine bedeutend kleinere Kirche. Hart war damals seelsorgerisch ein Vikariat und gehörte zur Pfarre Zell a. Z. Durch ständiges Anwachsen der Bevölkerung wurde die alte Kirche zu klein, daher drängte der damalige sehr rührige Vikar Johann Wendlinger Anfang der Dreißigerjahre des 18. Jahrhunderts auf einen Neubau. Das war in einer armen Bergbauerngemeinde nicht einfach. Zunächst mußte ein beträchtlicher Kredit aufgenommen werden. Die Abrißarbeiten der alten Kirche begannen 1733 und wurden von der Bevölkerung kostenlos in Fronschichten und freiwilligen Arbeitsleistungen gemacht. Im Frühjahr 1734 begann der Neubau. Der Bau- und Maurermeister Matthias Rangger aus Axams übernahm die Bauleitung für den gemauerten Teil der Kirche, und der Zimmermeister Veith Saurer, ebenfalls aus Axams, machte die Holzkonstruktionen, wobei das Holz von den Bauern geschenkt und schon ein Jahr vorher geschlägert wurde.

Die Mithilfe der Bevölkerung war so groß, daß Ende des Jahres 1734 schon der gemauerte Rohbau stand und am 9. Juli 1735 der Kirchturmknopf mit dem Wetterhahn aufgesetzt werden konnte.

Noch im Herbst des Jahres 1735 fand eine Art Firstfeier und Voreinweihung mit Glockengeläut und Böllerknall statt. Richtig eingeweiht wurde die Kirche aber erst 21 Jahre später, am 1. September 1756 durch den Erzbischof von Salzburg. In dieser Zwischenzeit wurden die Malerarbeiten und Stukkaturen im Kirchenschiff und im Presbyterium durchgeführt. Sofern in der Ausbauzeit die Gläubigen nicht in Fügen und Uderns die Kirche besuchten, wurde für die Übrigen der Gottesdienst in der Harter Kapelle gehalten.

Die Kirche wurde dem Hl. Bartholomäus geweiht, dessen Marterung im Bild des Hochaltares dargestellt ist. Das Bild stammt von Anton Kirchebner aus dem Jahre 1748. Die zwei großen Barockfiguren rechts und links am Hochaltar stellen den Hl. Pirmin und den Hl. Rochus dar. Mit Sicherheit hat man diese zwei Pestheilihen nicht zufällig als Fürbitter auf den Altar gestellt, denn es lebten damals noch Leute, welche die schreckliche Pestzeit der Jahre 1688 und 1689 in furchtbarer Erinnerung hatten. Auch der Schutzpatron der Haustiere, der Hl. Leonhard am rechten Seitenaltar steht nicht zufällig dort, denn am Gedeihen der Haustiere hängt in Hart ein Großteil der Existenzgrundlage der Bevölkerung. An der sehr schön gestalteten Bogendecke der Kirche findet man die Bilder der Bischöfe Virgil, Pirmin und Rupertus. Das Bild des heiligen Abendmahles unter der Empore wurde von den Fügener Gebeitsverwaltern Bonifacius Pichler und Gertrudis Steinlechnerin 1735 gestiftet. – Beachtenswert sind auch die feinen Stukkaturen oben an der Stirnseite des Presbyteriums. Sie spiegeln deutlich die Kunstrichtung des ersten Drittels des 18. Jahrhunderts wider, wo die massiven Formen des Barock in die spielerischen Schnörkel des Frührokoko übergingen.

Das Bild links von der Uhr zeigt den Hl. Petrus in der Situation "Ehe der Hahn dreimal kräht..". Das Bild rechts zeigt die Wandlung des Saulus zum Paulus. Beide Bilder wurden vom damaligen Vikar Wendlinger gestiftet.

Das älteste Stück in der Kirche ist der Marmor-Taufstein, der im Jahre 1627 von Paul Röpfl in Schwaz gemacht wurde. Er stammt damit noch aus der alten, abgerissenen Kirche. Noch älter und berühmter ist allerdings die Löffler-Glocke auf dem Turm der Harter Pfarrkirche. Die Inschrift auf der Glocke kündet stolz: "Gregory Löffler und seine Sün Elias und Christoff gossen mich 1555". Weil diese auf G gestimmte Glocke so alt und berühmt ist, überlebte sie beide Weltkriege, während die anderen Glocken mit Ausnahme der auf A gestimmten "Reithererin" eingeschmolzen und zweimal erneuert werden mußten.

Bis zum Jahre 1806 hatte die Kirche nur die untere Empore, wo damals auch die Orgel stand. Um mehr Platz für die Bevölkerung zu schaffen, ließ man dann in diesem Jahr den heutigen "Chor" aufsetzen. Im Jahre 1961 wurde die Kirche unter Aufsicht des Denkmalamtes renoviert.

Was wir dazu herausgefunden haben

Der Tiroler Kunstkataster und das Bundesdenkmalamt haben die Kirche genau vermessen. Vieles bestätigt die Chronik – und einiges ergänzt sie.

Bestätigt

  • Die Baumeister stimmen. Der Kunstkataster führt für den Neubau 1734/1735 namentlich Mathias Rangger (gestorben 1758) und für die Zimmererarbeiten Veit Saurer – genau die beiden Männer aus Axams, die auch die Chronik nennt.
  • Auch der Maler stimmt. Anton Kirchebner (1702–1779) schuf die Fresken, inschriftlich datiert 1735, und 1748 das Hochaltarbild mit dem hl. Bartholomäus.
  • Und der Taufstein. 1627 von Paul Röpfl gefertigt, urkundlich belegt.
  • Die alte Kirche wurde nicht ganz abgerissen. Das ist die schönste Ergänzung: Der Neubau erfolgte „unter Mitverwendung der gotischen Chormauern“. Wer heute im Chor steht, steht zwischen mittelalterlichen Mauern.
  • Drei Dinge, die die Chronik nicht erwähnt: die Sonnenuhr von 1734 an der Südseite; der Orgelprospekt von Karl Mauracher um 1770; und die Figuren der Großeltern Jesu, Anna und Joachim, von Franz Xaver Nissl.
  • Es gibt eine noch ältere Glocke. Die Chronik feiert zu Recht die Löffler-Glocke von 1555. Das Denkmalamt verzeichnet daneben eine zweite Glocke, gegossen Anfang des 15. Jahrhunderts – rund 150 Jahre älter.

Noch offen

  • Ein Datum verlangt noch Klärung: Die Chronik schreibt, Hart sei zur Zeit der Votivbilder von 1688/89 „ein Vikariat“ gewesen und habe zur Pfarre Zell gehört. Nach heutigem Stand war Hart seit 1604 eigenständiges Vikariat und wurde bereits 1675 zur Pfarre erhoben – also gut ein Jahrzehnt vor den Votivbildern. Ein Blick in die Pfarrchronik würde es klären.

Wenn Sie zu einem dieser Punkte etwas wissen – ein Foto, ein Dokument, eine Erinnerung aus der Familie: Bitte melden Sie sich im Gemeindeamt. Das meiste, was hier noch fehlt, liegt nicht in Archiven, sondern in Schubladen.

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