Es wäre bequem, eine Zahl zu nennen. Die Chronik im Gemeindearchiv nennt gleich mehrere, und der heutige Forschungsstand nennt eine andere. Wir stellen sie nebeneinander, statt uns eine auszusuchen.
„20 Höfe am Mons Hardarius“
Die Chronik beruft sich auf die alten Urbare des Erzstiftes Salzburg. Das wäre die älteste Spur – über 1100 Jahre.
bestritten
Die maßgebliche moderne Edition, das Tiroler Urkundenbuch, stützt diese Frühdatierung nicht. Sie datiert die Nennung „mons Hardarius“ rund 300 Jahre später.
Eine Hube zu „Helphinstain“
Der Ritter Erich übergibt dem Erzbischof von Salzburg ein Gut in Helfenstein. Nicht Hart selbst, sondern der heutige Ortsteil.
ungeprüft
Wir haben diese Urkunde noch nicht eingesehen. Sie beträfe ohnehin Helfenstein, nicht Hart.
„Siegfried von Hard“
Ein gewisser Siegfried von Hard übereignet sein Gut zu „Narrinpach“ bei Stumm dem Erzstift Salzburg. Hier taucht der Name Hart erstmals auf – nicht der Ort.
ungeprüft
Das ist die Zahl, aus der sich ein 900-Jahr-Jubiläum für 2025 rechnen ließe. Wir raten davon ab. Erstens ist unbelegt, ob „Hard“ hier Hart im Zillertal meint. Zweitens datiert das Tiroler Urkundenbuch das benachbarte Stumm, das in derselben Überlieferung genannt wird, nicht auf ein Jahr, sondern auf den Zeitraum 1125–1129. Traditionsnotizen dieser Art lassen sich meist nicht jahresgenau festlegen.
„mons Hardarius“ in der Schlitterer Schenkung
Hier nennt eine Urkunde den Harterberg beim Namen. Nach dem Tiroler Urkundenbuch ist das die erste urkundliche Nennung.
gefälscht
Die „Schlitterer Schenkung“ ist ein Falsifikat des 14. Jahrhunderts. Die Nennung ist echt überliefert, das Dokument ist es nicht. Für ein Gründungsdatum taugt sie nicht.
Das Spital in „Hardareberge“
Erzbischof Adalbert III. von Salzburg beurkundet die Errichtung eines Spitals, das Johannes dem Evangelisten geweiht war. 1198 noch einmal.
gesichert
Das ist die älteste Nennung, die dem heutigen Forschungsstand standhält.
Was das praktisch heißt
Kein „seit 1125“ auf Ortstafeln, Drucksorten oder dieser Seite. Wenn ein Jubiläum je ein Thema wird, gehört vorher das Tiroler Landesarchiv gefragt – konkret: Existiert die Urkunde des „Siegfried von Hard“, meint „Hard“ darin Hart im Zillertal, und auf welches Jahr oder welchen Zeitraum ist sie datiert?
Nebenbei: Ein 900-Jahr-Fest auf Basis von 1125 würde Hart nach seiner eigenen Chronik um gut 200 Jahre jünger machen, als sie den Ort ansetzt. Die Zahl ist nicht nur unsicher – sie wäre auch bescheidener, als nötig wäre.
- Martin Bitschnau / Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung, Band 1 (2009) und Band 2 (2012), Universitätsverlag Wagner, Innsbruck. Zu „mons Hardarius“ Bd. 2, S. 8–13 Nr. 390a; zum Spital Bd. 2, Nr. 827 und 929; zu Stumm Bd. 1, S. 273 Nr. 314.
- Ortschronik „Hart einst und jetzt“, Teil 2, Kapitel „Aus der Geschichte von Hart“, Gemeindearchiv Hart.