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Die Kapitel

Gemeindearchiv Hart, Vereinschroniken und private Sammlungen Wir öffnen das Archiv · laufend ergänzt

Die Kapitel

Die Nacht, in der der Haselbach kam29. Juli 1908Ein Musiker im MesnerhausDie Tiroler LandeshymneVier Fallschirme in einer Tanne26. Jänner 1956Unsere Pfarrkirche1486 – heuteDie Kapelle am Bergum 1650 – heuteDie Schützen1432 – 1951Die SommerfrischlerEin Menschenalter

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Über diese Chronik

Wie wir arbeitenTranskription, Beleg und NachprüfungEin Bild beitragenFoto hochladen, beschreiben, in Hart verorten
Schrägluftbild des Hofes Müllach in Hart.

26. Jänner 1956

Vier Fallschirme in einer Tanne

Der Mühllachbauer treibt in der Früh das Vieh zur Tränke – und findet zwei Behälter zu je 250 Kilo, mit Kameraobjektiven, einer Antenne und Aufschriften auf Englisch, Russisch und Chinesisch.

Es ist die unwahrscheinlichste Geschichte im ganzen Archiv, und sie ist so detailliert aufgeschrieben, dass man sie kaum erfunden haben kann. Mitten im Kalten Krieg landet der beginnende Weltraumzeitalter am Hartberg.

(darunter eine durchgestrichene, unleserlich gemachte frühere Titelzeile)

Es war ein eigenartiger Zufall, der die kleine Gemeinde Hart mit dem Beginn der Weltraumfahrt in Verbindung gebracht hat.

Als der Mühllachbauer Hans Eberharter am frühen Morgen des 26. Jänner 1956 das Vieh zur Tränke trieb, machte er eine überraschende Entdeckung. Etwa 100 Meter unterhalb des Hauses hing über den Ästen einer Tanne ein riesiger Fallschirm. Zunächst dachte man an ein Flugzeugunglück mit Notabsprung. Als man den Fallschirm näher betrachtete, fand man etwas unterhalb im Wald noch drei weitere Fallschirme, die mit starken Nylonschnüren miteinander verbunden waren. Man zog rasch das Gewirr von Seilen und Stoff zur Seite, um Verletzte oder Tote zu bergen. Statt dessen fand man aber zwei geheimnisvolle Behälter mit einem geschätzten Gewicht von je 250 kg.

Am etwas größeren Behälter waren oben zwei kleine Blechbehälter und eine Antenne montiert. In der Bodenfläche waren zwei Fenster, hinter denen zwei starke Objektive von Film- oder Fotoapparaten herausschauten. Der kleinere Behälter war mit einem Elektrokabel am größeren Kasten angeschlossen. Einer der Behälter war leicht beschädigt. Aus dem kleinen Loch rieselte eine Masse, die Seifenflocken ähnlich sah.

Beunruhigend waren zunächst aber die Töne, die aus dem Inneren der Behälter kamen. Im einen Behälter summte es wie bei einem Transformator und im anderen Kasten tickte es wie bei einer Höllenmaschine. Bei genauerer Untersuchung fand man noch drei kleine Schrifttafeln in englischer, russischer und chinesischer Sprache. Daß die Fallschirme über deutschsprachigem Gebiet niedergehen könnte, hatte man scheinbar nicht einkalkuliert, weil eine deutsche Aufschrift fehlte. Ins Deutsche übersetzt hieß es da: "Diese Behälter fielen von Ballonen mit Fallschirm hernieder. Sie sind ungefährlich. Sie enthalten meteorologische Informationen. Melden Sie es der zuständigen Behörde."

Man verständigte also die Gendarmerie, und die Behälter wurden mit viel Mühe geborgen und zu Tal gebracht. Die Apparate kamen dann zur Untersuchung nach Innsbruck, wo das physikalische Institut der Universität feststellte, daß es sich um äußerst komplizierte und wertvolle Apparaturen handelte, die wahrscheinlich in der Stratosphäre um den Erdball geflogen waren, dabei wichtige meteorologische Daten sammelten, und dann ausgerechnet am Hartberg im Zillertal landeten.

Nachdem die Zeitungen sensationell über die geheimnisvollen Fallschirme berichtet hatten, meldeten sich dann nach Wochen die Eigentümer. Die amerikanische Weltraumbehörde hatte die Ballone im Zuge des geophysikalischen Jahres gestartet, um sich im beginnenden Weltraumzeitalter vorsichtig in die Stratosphäre vorzutasten.

Was wir dazu herausgefunden haben

Diese Geschichte hat einen Faden, an dem sich ziehen lässt – wir haben ihn noch nicht bis zum Ende verfolgt.

Bestätigt

  • Die Chronik nennt zwei Spuren, die nachprüfbar sind: Die Zeitungen berichteten damals „sensationell“ über den Fund, und die Geräte kamen zur Untersuchung an das Physikalische Institut der Universität Innsbruck. Beides müsste sich in Archiven wiederfinden lassen.

Noch offen

  • Die Chronik nennt als Eigentümerin „die amerikanische Weltraumbehörde“. Die NASA wurde aber erst 1958 gegründet – 1956 lagen solche Ballonprogramme bei der US Air Force. Der Chronist hat hier aus der Rückschau formuliert.
  • Merkwürdig bleibt der Widerspruch, den der Text selbst notiert: Die beigelegten Schrifttafeln sprachen von meteorologischen Informationen – in der Bodenfläche saßen aber „zwei starke Objektive von Film- oder Fotoapparaten“.

Wenn Sie zu einem dieser Punkte etwas wissen – ein Foto, ein Dokument, eine Erinnerung aus der Familie: Bitte melden Sie sich im Gemeindeamt. Das meiste, was hier noch fehlt, liegt nicht in Archiven, sondern in Schubladen.