Dieses Kapitel enthält keine Jahreszahlen und keine Urkunden. Es ist trotzdem eines der wertvollsten: Hier schreibt jemand auf, wie man in Hart über den Fremdenverkehr dachte, als er gerade erst begann.
(darunter eine durchgestrichene, unleserlich gemachte frühere Titelzeile)
Für Urlauber, die lärmende Diskotheken, Nachtlokale oder Luxushotels suchen, ist Hart sicher nicht der richtige Urlaubsort, weil es solche Einrichtungen in Hart nicht gibt.
Menschen, die sich wirklich erholen wollen, ohne sich nach dem Urlaub vom anstrengenden Urlaub erholen zu müssen, finden in Hart die idealen Voraussetzungen, denn hier gibt es noch Ruhe, gesunde Bergluft, frisches Quellwasser und alle Möglichkeiten von Spaziergängen wie auch Bergwanderungen bis hinauf in die Almregionen. Das hat dazu geführt, daß der Fremdenverkehr in den letzten Jahren immer mehr zugenommen hat, so daß nicht nur die meisten Häuser für die Aufnahme von Gästen umgebaut und renoviert wurden, sondern daß auch noch die alten Heustädel zu Ferienwohnungen umfunktioniert worden sind.
Besonders Familien mit Kindern schätzen die fast unbeschränkte Freiheit, den freundlichen Familienkontakt und die enge Verbindung zur Natur.
Aber auch die Einheimischen haben nicht nur den willkommenen Nebenverdienst schätzen gelernt, sondern auch das verbesserte Einfühlungs- und Anpassungsvermögen der Gäste. Dieses gegenseitig Verständnis gab es nicht immer. Das Leben unserer Vorfahren wurde vom harten Existenzkampf auf karger, schmaler Scholle geprägt. Die Chance zum Überleben hatten von alters her nur Menschen, die bei schwerster körperlicher Arbeit und äußerster Genügsamkeit mit den geringen Erträgen der Landwirtschaft zufrieden waren. Die Bauern waren von jeher gezwungen, auf ihrem Boden jede kleinste Ertragsmöglichkeit auszunützen und sparsam zu wirtschaften. Heute hat sich zwar in dieser Hinsicht manches geändert, aber zur "Wegwerfgesellschaft" rechnen sich die Bewohner von Hart trotzdem nicht, obwohl es auch hier manche durch Fleiß zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht haben. Zu dieser Verbesserung der wirtschaftlichen Lage trägt nicht unwesentlich der Fremdenverkehr bei.
Die Zeit liegt aber noch kaum ein Menschenalter zurück, als man hier den sogenannten Sommerfrischlern noch mit deutlicher Reserviertheit entgegen kam. Es gab dafür mehrere Gründe. Zum ersten gab es kaum Zimmer, die man Gästen zumuten hätten können. Auch ein gewisser Neid auf Leute, die Urlaub machen konnten, während die Einheimischen bei jedem Wetter ohne Urlaub arbeiten mußten, spielte sicher eine Rolle. Ein weiterer Grund kam dann hinzu, wenn die Sommerfrischler aus Gedankenlosigkeit Blumen suchend querfeldein das Gras zertrampelten, das man so notwendig als Viehfutter brauchte. Auch manche Sitten gefielen den Einheimischen nicht, die von Fremden in das Land gebracht wurden.
Das gegenseitige Verständnis und die gegenseitige Rücksichtnahme haben sich inzwischen weitgehend gebessert. Die Landbevölkerung hat heute sogar oft das Gefühl, die Sommerfrischler zu bedauern, die nach dem Urlaub wieder in den Lärm und in die vergiftete Luft der Städte zurückkehren müssen.