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Die Kapitel

Die Nacht, in der der Haselbach kam29. Juli 1908Ein Musiker im MesnerhausDie Tiroler LandeshymneVier Fallschirme in einer Tanne26. Jänner 1956Unsere Pfarrkirche1486 – heuteDie Kapelle am Bergum 1650 – heuteDie Schützen1432 – 1951Die SommerfrischlerEin Menschenalter

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Schrägluftbild des Weilers Ort in Hart.

1432 – 1951

Die Schützen

Vom Scheibenschießen mit brennenden Lunten bis zur Holzkanone gegen die Besatzungsmacht. Dazwischen liegt eine Nacht in Hall, die sechzehn Männer nicht überlebten.

1909, zur Jahrhundertfeier der Freiheitskämpfe, marschierten 1046 Zillertaler Schützen am Kaiser vorbei. 44 davon kamen aus Hart. Fünf Jahre später fielen die Schüsse von Sarajewo, und vierzig Harter Männer blieben auf den Schlachtfeldern.

Das Schützenwesen liegt den Tirolern im Blut. Davon haben auch die Schützen von Hart nie eine Ausnahme gemacht. Zunächst waren es sicher nur Bogenschützen, die mit ihren Pfeilen Wild erlegten. Als dann im 15. Jahrhundert die ersten "Vorderlader" in das Zillertal kamen, verdrängten sie nicht nur Pfeil und Bogen sondern auch die alten Verteidigungswaffen wie Lanzen, Dreschflegel, Sensen, Hellebarden und Morgensterne.

Die Landesherren nützten die Vorliebe und das Talent zum Schießen schon bald für Zwecke der Landesverteidigung aus. Die Chronik meldet schon aus dem Jahre 1432 ein Schießen auf Scheiben mit brennenden Lunten. Etliche Jahrzehnte später organisierte Herzog Siegmund als Erster von der Obrigkeit her das Tiroler Schützenwesen, und Kaiser Maximilian machte die Schützen durch das 1511 erlassene Tiroler Landlibell zu einer Schutztruppe in der Verteidigung des Landes.

Im folgenden Jahrhundert gab es dann schon zahlreiche Schützengesellschaften und Gilden, die sich vor allem im Schießen übten.

Als 1703 der Kurfürst Emanuel von Bayern mit seinen Soldaten über Kufstein in Tirol einfiel, wurden erstmals auch Tiroler Schützen im Abwehrkampf eingesetzt. Sie kämpften so tapfer, daß die Eindringlinge in kürzester Zeit mit blutigen Köpfen über die Grenze zurückgeworfen wurden. Dabei sollen auch einzelne Schützen aus Hart mitgekämpft haben.

Die große Bewährung kam dann aber in den Freiheitskriegen gegen Napoleon. Es ist aus sicherer Quelle überliefert, daß im Jahre 1809 auch in Hart schon eine verteidigungsbereite Schützengemeinschaft unter dem Schützenoberleutnant Veith Orthner von Oberwieden bestanden hat. (Siehe Seite   )

Als dann in den folgenden Jahren der Protestantismus auch im Zillertal immer mehr Anhänger fand und im Untergrund ein fanatischer Religionsstreit zwischen der Obrigkeit und den Ketzern im Gange war, bildete sich auch in Hart eine sogenannte "Corpus-Christi-Gesellschaft" aus wehrhaften Schützen, um die katholische Religion und ihre Priester vor den tätlichen Angriffen der "Lutherischen" zu schützen.

Seit dieser Zeit geben die Schützen bei Prozessionen dem Allerheiligsten das schützende Ehrengeleit.

In Hart gab es zwar keine Abtrünigen, die wegen ihrer lutherischen Gesinnung auswandern mußten wie viele Landsleute des oberen Zillertales. In diesem Zusammenhang sei aber erwähnt, daß es schon 7 Jahre nachdem Martin Luther die bekannten 95 Thesen an der Schloßkirche zu Wittenberg angeschlagen hatte, in Hart einen Vikar gab, der wegen seiner ketzerischen Predigten am 15. Juli 1525 verhaftet und in der Burg Kropfsberg eingekerkert wurde. Darauf rotteten sich die Bauern zusammen, bewaffneten sich und versuchten, den Geistlichen zu befreien. Diese lokale Bauernrevolte wurde aber von der Obrigkeit rasch niedergeschlagen. (Museum-Bibl. Bd. III Seite 355)

Auch die weltliche Obrigkeit ließ sich immer wieder gerne von den strammen Schützen huldigen.

Im Jahre 1835 wurde in Hart das Schützenwesen von Grund auf reformiert. Noch im gleichen Jahr gab es 113 eingeschriebene Mitglieder.

Als am 12. August 1838 in Innsbruck die große Erbhuldigung für den Kaiser stattfand, marschierten die Harter Schützen zusammen mit den Schützen von Fügen und Uderns am Vortag bis nach Hall, wo sie im Gasthaus "Zum Bären" übernachteten. Durch Überbelastung stürzte das baufällige Gasthaus in der Nacht ein und begrub zahlreiche Schützen unter den Trümmern. 16 Männer waren tot und eine größere Anzahl wurde verletzt. Unter den Toten waren auch die zwei Schützen Josef und Georg Margreiter vom Aberl.

Im Revolutionsjahr 1848 standen die Schützen bereit, für Gott, Kaiser und Vaterland einen Umsturz zu verhindern. Das hatte zur Folge, daß die Schützen nun auch von allerhöchster Stelle gefördert wurden. Das zeigte sich bereits 1853 ganz deutlich, als der junge Kaiser Franz Josef einem Attentat entronnen war. In 145 Orten von Nord- und Südtirol wurde von den Schützengesellschaften ein nationales Freuden- und Festschießen veranstaltet. In einer Glückwunsch- und Grußadresse an den Kaiser, die auch vom Harter Schützenmeister unterschrieben wurde, hieß es: "Was wir hier im Frieden üben, gilt im Ernstfall für Dich!". Und dann knallten am Josefitag, am 19. März 1853 im Wettstreit der Gemeinden die Böller. Jeder Schütze machte einen Ehrenschuß für den geretteten Kaiser, und sogar Frauen wollten nun aus Begeisterung zu den Schützen gehen.

Am 29. September 1863 marschierten die Harter Schützen in neuen Uniformen und als Schützenkompagnie militätisch organisiert zum Landesschützenfest nach Innsbruck.

Das größte Schützenerlebnis war aber die Jahrhundertfeier am 29. August 1909 zum Gedenken an die Befreiungskämpfe unter Andreas Hofer 1809. Zu diesem Jubiläumsfest marschierten aus dem Zillertal 1046 Schützen erstmals als geschlossenes "Zillertaler Schützenregiment" mit 11 Kompagnien und einer 100 Mann starken Regimentsmusik am Kaiser vorbei. Weder der lange Marsch noch das schreckliche Regenwetter, das am Tag des Abmarsches herrschte, konnte die begeisterten Schützen von diesem Jahrhundert-Erlebnis abhalten. Müde und triefend naß kamen die Schützen in Innsbruck an und wurden im Landeslagerhaus einquartiert. Am nächsten Tag war dann aber das sprichwörtlich schöne "Kaiserwetter".

Die Harter Schützenkompagnie war 44 Mann stark und stand unter dem Befehl des Schützenhauptmannes Johann Huber. Weitere Offiziere waren Jakob Bradl, Georg Rainer und Rupert Wechselberger. Die Schützenfahne vom Jahr 1837 wurde abwechselnd von den Fähnrichen Josef Dengg und Franz Kreidl (Helfenstein) getragen.

In der Denkschrift zu dieser Jahrhundertfeier heißt es unter anderem: "Wie aber dann die 100 Mann starke Regimentsmusik in der flotten, kurzen Zillertalertracht in nie gehörter dröhnender Kraft und dennoch mit harmonischem Klang ihre schneidigen Märsche spielend einhermarschierte, kannte der Jubel und die Begeisterung der Schützen und unzähligen Zuschauer aus nah und fern keine Grenzen mehr und es regnete Blumen und Kränze von allen Seiten. Zillertaler hoch! Bravo! Spielts! Spiels! schrie alles von den Fenstern und vom Zuschauerspalier."

Das Zillertaler Schützenregiment hatte dann die große Ehre, in der Andreas-Hoferstraße das Ehrenspalier für den Kaiser und seinen Hofstaat zu bilden, als dieser zu den Feierlichkeiten auf dem Berg Isel fuhr. Bei der anschließenden Defilierung vor der Innsbrucker Hofburg lief es manchem einfachen Harter Bauern in Schützenuniform kalt und heiß über den Rücken, als der Kaiser vor ihnen und ihrer Schützenfahne huldvoll salutierte.

Kaum fünf Jahre später fielen die verhängnisvollen Schüsse von Sarajewo und trafen den Thronfolger Franz Ferdinand, der hier in Innsbruck an der Seite des Kaisers den Zillertaler Schützen zugewinkt hatte. Der 1. Weltkrieg brach aus und viele Schützen rückten zu den Standschützen und zu den Kaiserjägern ein. Sie erwarben sich rasch den Ruf einer Elitetruppe. Die ursprüngliche Begeisterung machte allerdings im Kugelhagel der überlegenen Feinde rasch einer verbissenen Ernüchterung Platz. Vierzig Männer aus Hart blieben auf den Schlachtfeldern.

Im 2. Weltkrieg war die Begeisterung für den Krieg von vorne herein nicht mehr da. Sie taten aber ihre Pflicht, wie das Gesetz es befahl. 39 Männer kehrten auch aus diesem Krieg nicht mehr heim.

Am 7. Jänner 1951 wurde das Zillertaler Schützenregiment wieder neu aufgestellt. Der französischen Besatzungsmacht gegenüber wurde betont, daß diese Neugründung nur der Förderung des Tiroler Brauchtums dienen soll. Am Anfang durften die Schützen zwar ihre Uniform aber keine Gewehre tragen. Auf unbefugtem Waffenbesitz stand damals die Todesstrafe.

In dieser Zeit der waffenlosen Schützen hatte der damalige Schützenhauptmann Franz Pungg die Idee, nach dem vom Maler Egger-Lienz entworfenen Bild der "Landsturmgruppe mit Kreuz" eine Untergruppe als Landsturm mit einer ungefährlichen aber laut krachenden Holzkanone und einer für die Besatzer ebeso ungefährlichen Bewaffnung mit Morgensternen und rostigen Sensen aufzustellen. Dieses lebendige Kämpfer-Ebenbild aus der Urväterzeit marschiert heute bei Folklore-Veranstaltungen hinter einem schweren Kruzifix und hinter der regulären Schützenkompagnie.

Mag das Schützenwesen heute vordergründig als Bereicherung des Tiroler Brauchtums gelten, so bleibt doch auch im Atomzeitalter hintergründig und unausgesprochen die Möglichkeit, in Krisenfällen das Militär durch Schützen zu verstärken.

Was wir dazu herausgefunden haben

Der Rahmen der Erzählung ist gesicherte Landesgeschichte. Zwei Harter Angaben lohnen eine genauere Nachschau.

Bestätigt

  • Das Tiroler Landlibell von 1511, mit dem Kaiser Maximilian die Schützen zur Landesverteidigung verpflichtete, ist gesicherte Geschichte.
  • Es gibt ein Kriegerdenkmal. Der Kunstkataster verzeichnet in Oberhart ein Denkmal, bezeichnet 1938 und nach 1945 ergänzt. Es gehört zu den Namen, die diese Seiten nennen.

Noch offen

  • Die Nacht von Hall. Die Chronik berichtet, das Gasthaus „Zum Bären“ sei in der Nacht auf die Erbhuldigung vom 12. August 1838 unter der Überbelastung eingestürzt; sechzehn Tote, darunter Josef und Georg Margreiter vom Aberl. Ein Unglück dieser Größe muss in den Zeitungen und Akten von 1838 stehen. Wir haben noch nicht nachgeschlagen.
  • Die Gefallenenzahlen – vierzig im Ersten, neununddreißig im Zweiten Weltkrieg – sind gegen die Namenslisten am Ende der Chronik abzugleichen.
  • Für die Verhaftung des Harter Vikars am 15. Juli 1525 und seine Einkerkerung auf Burg Kropfsberg gibt der Chronist eine Quelle an: „Museum-Bibl. Bd. III S. 355“ – vermutlich die Bibliothek des Ferdinandeums.

Wenn Sie zu einem dieser Punkte etwas wissen – ein Foto, ein Dokument, eine Erinnerung aus der Familie: Bitte melden Sie sich im Gemeindeamt. Das meiste, was hier noch fehlt, liegt nicht in Archiven, sondern in Schubladen.